
Die Regierungspläne Wohneigentum in die Riesterrente mit einzubeziehen bringt der Zeit einige Fondsanbieter und Versicherungsgesellschaften auf die Palme. Andere Gesellschaften hingegen haben schon darauf reagiert und ihr Angebot mit dieser Option erweitert. Was eine weitere Belebung im Geschäft mit der staatlich geförderten Vorsorge bedeuten dürfte.
Vor allem für die Fondsbranche dürfte dieses Jahr wieder ein Riester-Jahr werden. So werden seit Jahresbeginn die jungen Riester-Sparer und Familien mit zusätzlichen Zuzahlungen vom Bundesfinanzministerium unterstütz. Hin zu kommt noch das die staatlichen Zuschüsse für die private Altersrente ihr Maximum erreicht haben. „Das Groß der Riester-Sparer dürfte bis Ende 2008 einen Vertrag unterschreiben“ prognostizierte Klaus Riester, der Vertriebschef des Marktführers für Riester-Fondsverträge, Union Investment, schon vor eineinhalb Jahren. Nachdem in den Anfangsjahren fast nur die Versicherungen den Riestermarkt beherrschten, sicherten sich die Fondsanbieter bereits einen Marktanteil von 18 Prozent am jungen Privatrentenmarkt.
Was Verbraucherschützer als Vervollkommnung der Förderung ansehen, verärgert während dessen die Fondsanbieter und Versicherungen. Die „Wohn-Riester“-Pläne, wie sie die Regierungskoalition Ende Februar beschlossen hat, ermöglichen es den Sparer ihr Kapital aus einem laufenden Riester-Vertrag für den Kauf eines Eigenheimes zu verwenden, während man bislang nur einen Teil des angesparten Geldes für eine begrenzte Zeit aus einem Vertag ausborgen durfte.
Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbandes BVI, befürchtet sogar ein „Ausbluten der Altersvorsorge, wenn man das bisher erreichte Riester-Vermögen für Wohnzwecke „verkonsumiert. Auch andere Verbände, der beiden Anbietergruppen, lehnen sich gegen die neue Konkurrenz auf. Marktkenner vermuten, dass das anvertraute Kapital von heute auf morgen abgezogen wird. Der Versicherungsverband GDV kritisiert, dass der Eigenheim-Riester das Förderkonzept erschwert, weil man nach Abhebung des Kapitals eine Art Wohnförderungskonten führen müsste.
Auch an den Bausparkassen ist das neue Konzept der Riesterrente nicht vorbei gegangen und haben schon eigene Riester-Programme bei sich aufgenommen, um beim Start des Wohnriesters dabei zu sein.
Damit bleibt den Banken, Versicherungen und Fondsanbietern nur, das ganze sportlich zu nehmen und sich auf den neuen Wettbewerb einzustellen. Hierbei geht es immer hin um 33 Millionen Förderberechtigte, von denen Rund 20 Millionen noch keinen Riestervertag haben. Die tatsächliche Marktchance liegt laut Branchenkennern Schätzungsweise um die 16 Millionen Menschen.
Zu einem Riestervertrag raten die Verbraucherschützer prinzipiell jedem Berechtigtem, damit man sich die üppigen Zulagen sichert. Junge Leute sollten aber mit dem beginn des Riesterns warten bis sie einen sicheren Job haben, rät der Bund der Versicherten. So einige Riestersparer dürften sich noch in diesem Jahr gewinnen lassen. Aufgrund der noch attraktiver gewordenen staatlichen Zulagen, die auf 154,- € steigen. Hierzu kommen dann noch 185,-€ pro Kind bzw. 300,-€ für jedes ab 2008 geborene Kind. Zusätzlich erhalten Riester die jünger als 21 Jahre sind nochmals 100,-€ Bonus bei Abschluß eines Vertrages. Ab 2008 kann man dann auch noch bis zu 2100,-€ (minus Zulagen) Sparraten im Jahr von der Steuer absetzen. Damit verschiebt der Sparer die Besteuerung ins Rentenalter, wenn er die Auszahlungen versteuern muß.
Bürgern die noch mindestens ein Jahrzehnt bis zur Rente haben wird zu Riesterverträgen auf Fondsbasis geraten, um die Renditenchancen an den Kapitalmärkten vernünftig nutzen zu können. Schutz vor Kapitalverlust ist durch die Garantie der Anleger, ihnen mindestens sein eingezahltes Geld auszuzahlen. Ein weiterer Vorteil gegenüber Versicherungsangeboten ist, dass der Sparer Riester-Fondssparpläne überzahlen und damit die Abgeltungssteuer vermeiden kann. Wer den Vertrag länger als 12 Jahre anspart, ihn bis zum 60. Lebensjahr nicht auflöst und über die maximal geförderten 2100,-€ im Jahr einzahlt, braucht später die Erträge nur zur hälfte mit seinem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Ob so ein Steuersparmodell auf die Dauer Bestand hat ist fraglich.
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