08.08.2008 – 13:19
Autor: Kredit News

Die Wirtschafts- und Finanzwelt erwartet regelmäßig mit Spannung die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank zur Neufestlegung des Leitzinses. Damit wird der Preis des Geldes bestimmt.

Niedrige Zinsen und damit billiges Geld gelten als Stimulator für Wirtschaftsinvestitionen, hohe Zinsen, also teures Geld, sollen die Geldmenge, also die Inflation im Zaume halten.

Eine weise Entscheidung zu finden ist zurzeit für die Europäische Zentralbank nicht leicht. Alle Anzeichen, beispielsweise sinkende Auftragseingänge, deuten darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Wachstumsphase der letzten Jahre dem Ende zuneigt und sich Europa und damit auch Deutschland auf dem Weg in eine Rezession befindet. Da die Zentralbank den Leitzins in den letzten Jahren in kleinen Schritten kontinuierlich erhöht hat, kann sie den Zinssatz nun nicht beliebig absenken, auch wenn die Wirtschaft dringend Unterstützung bräuchte. Die Zentralbankführer möchten sich nicht dem Vorwurf der Wechselhaftigkeit aussetzen.

Die Inflationsrate ist so hoch wie seit vielen Jahren nicht mehr – ein Ende dieser Tendenz ist nicht zu erkennen. Ziel der Zentralbank unter Jean-Claude Trichet ist es, den Eindruck zu vermitteln, dass die Inflationsbedrohung weiterhin erfolgreich bekämpft werden solle, nicht zuletzt, um übertriebene Lohnforderungen zu verhindern.

Experten der Dresdner Bank erwarten deshalb, dass das hohe Zinsniveau in den nächsten Monaten unverändert bleibt, um Konstanz und Verlässlichkeit zu demonstrieren. Erst gegen Ende des Jahres könnten erste Schritte zu einer leichten Senkung des Leitzinses erfolgen, um die Wirtschaftstätigkeit zu unterstützen. Sollte der Ölpreis jedoch bis dahin sinken, könnte dadurch ein allzu rascher wirtschaftlicher Abschwung noch abgefangen werden.

Quelle: Der Westen, WAZ NewMedia GmbH & Co. KG

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