16.09.2008 – 16:53
Autor: Kredit News

Die Ursache der Weltwirtschaftskrise
Seit Monaten ist die von den USA ausgehende Finanzkrise das Hauptthema in den Medien. Die Milliardenverluste der US-Banken vor allem aufgrund spekulativer Hypothekengeschäfte betreffen die ganze Weltwirtschaft. Im März 2008 begann die Weltwirtschaftskrise mit den ersten Bankenpleiten.

Um die Zusammenhänge zu ergründen, muss auf den 11. September 2001 verwiesen werden. Den Terroranschlägen folgten damals die Kurseinbrüche an den Börsen. Um die US-Konjunktur dennoch zu reanimieren bzw. zu stabilisieren, entschied sich die US-Zentralbank (FED) zur Leitzinssenkung. Die Banken gaben diese günstigen Konditionen an die Konsumenten weiter und heizten damit die Nachfrage nach Kapital im Sinne von Krediten an. Jeder US-Bürger, der eine Immobilie erwerben wollte, erhielt ein Darlehen. Die allgemeine Terrorangst sollte nach Wünschen der Regierung keinem US-Bürger das Eigenheim unmöglich machen. 100% Finanzierung (also ohne vorhandenes Eigenkapital) und ohne Sicherheiten waren durchaus üblich. Die Finanzinstitute akzeptierten dies auch, weil die Preise von Immobilien normalerweise steigen und Ihnen somit als Sicherheit dienen hätten können.

Die Immobilienkrise in den USA
Die Kredite wurden längst an den Börsen gehandelt, als im Sommer 2006 die Immobilienblase platzte. Die Banken hatten die Kredite zwecks Beschaffung von Geld mittlerweile bereits paketweise weiterveräußert. Durch ein geschicktes System von Verflechtungen waren die Kreditpakete mit Triple A (AAA), also bester Bonität, von den Ratingagenturen bewertet. Bedenkt man die finanzielle Abhängigkeit der Ratingagenturen von den Auftraggebern – den Banken – verwundern diese positiven Beurteilungen nicht. Aufgrund eines Überangebotes an Häusern fielen die Immobilienpreise 2006 unglücklicherweise um durchschnittlich ca. 10% und stellten damit keine Sicherheiten mehr dar. Im Bankenjargon werden diese Darlehen als „notleidende Kredite“ bezeichnet. Welche Bank jedoch über wie viele unsichere Kredite verfügte war nicht feststellbar – und ist es weiterhin nicht.

Die erste Bankenpleite wird verhindert
2008 nahm die Konjunktur wie erhofft Fahrt auf. Die Wirtschaft benötigte Kapital und Knappheit am Markt bedeutet: Es wird teurer. Bei einem wirtschaftlichen Aufschwung steigen somit auch die Zinsen. Für die wenig solventen Kreditnehmer erhöhten sich unerwartet die bei der Kreditvergabe knapp berechneten Raten. Sie konnten die Kredite nicht bedienen.

In den meisten US-Bundesstaaten steht als letztes Mittel der Forderungseintreibung lediglich die Zwangsversteigerung zur Verfügung. Ein Rückgriff auf den Darlehensschuldner einer Hypothek ist vom Gesetz her nicht zulässig. Das verschärfte die Situation, einige Banken konnten wiederum ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Um einen Domino-Effekt zu vermeiden und das Umfallen weiterer Banken zu verhindern, pumpte die FED bei der ersten Bankenkrise Kapital in den Markt.

Die erneute Bankenpleite und der schwarze Montag
Drei große US-Finanzkonzerne müssen am 15. September 2008, dem schwarzen Montag, aufgeben. Lehman Brother meldet Bankrott, Merill Lynch als einer der größten Investoren wird aufgekauft und dem Versicherungsriesen AIG verweigert die FED das Ansinnen nach Kapitalzuschuss. Eine Woche zuvor gingen bereits die harmlos klingenden Fannie Mae und Freddie Mac in die Insolvenz, und die Finanzkrise war bereits erkennbar. Dennoch wirkt es, als ob es die Wall Street eiskalt erwischt hätte. Einige der größten Konzerne sind plötzlich vom Markt verschwunden. Die Kurse reagieren und rutschen ins Bodenlose. Risikofreudige Spekulanten investieren aber dennoch, rechnen sie weiterhin mit unterstützenden Maßnahmen der FED und einem Kursanstieg. Zuletzt wurde die Lehman-Aktie am schwarzen Montag für 20 Cent gehandelt. Das Kapital der Bank ist verschwunden.

Die weltweite Verstrickung der Banken lässt natürlich auch die anderen Börsen der Welt erzittern. Die gute Nachricht vorweg: Ein Zusammenbruch des deutschen und europäischen Bankensystems erscheint unwahrscheinlich. Durch die Einlagenpolitik der EZB, die die hiesigen Banken verpflichtet, bestimmte Geldreserven bei der EZB selbst zu halten, scheinen Insolvenzen nicht möglich.

Unbeeindruckt bleibt der DAX hingegen nicht. Der deutsche Aktienindex schloss am schwarzen Montag mit großen Verlusten und rutschte auf den tiefsten Stand seit Oktober 2006. Vor allem die Finanz- und Versicherungstitel wurden in die Knie gezwungen.

Alle weltweiten Aktienmärkte mussten kräftige Verluste notieren. Die großen europäischen Börsen in Frankreich und Großbritannien ebenso wie die asiatischen. Von einem schwarzen Montag sprechen die Experten indes nur für die Wall Street.

Warnungen vor Hyperreaktionen wurden an der deutschen Börse auch am heutigen Dienstag ignoriert. Die Finanzkrise hinterlässt tiefe Spuren und erzeugt Dramatisierungen. Die Anleger befürchten weitere Zusammenbrüche der US-Banken und den Eintritt des Dominoeffektes bis nach Deutschland. Vor allem weitere Abschreibungen in den deutschen Bilanzbüchern werden erwartet. Die EZB sieht sich gezwungen, 70 Milliarden für die Finanzinstitute der Eurozone zur Verfügung zu stellen.

Das Bundesfinanzministerium, die deutsche Finanzaufsicht und die Bundesbank teilten in einer kollektiven Erklärung mit, dass die Auswirkungen der US-Finanzkrise auf den deutschen Markt „verkraftbar“ seien. Die weiteren Entwicklungen würden zudem „sehr genau“ beobachtet. Eine enorme Beeinträchtigung des deutschen Wirtschaftswachstums sei eher unwahrscheinlich.

Die Wall Street nach der Bankenpleite
Mit Goldman Sachs und Morgan Stanley verbleiben nur noch 2 von ursprünglich 5 unabhängigen Investmentbanken an der Börse in New York.

Lehman Brothers kann nach dem Gläubigerschutzgesetz des amerikanischen Insolvenzrechtes die Geschäfte zunächst weiterführen. Die US-Regierung schließt Staatshilfen jedoch weiterhin aus. Trotz des Vertrauensverlustes der Anleger sieht sich die US-Finanzbranche nicht veranlasst ihrerseits einzugreifen um damit das Vertrauen zurückzugewinnen. Die Insolvenz der Lehman Bros resultiert aus den vom Ausfall bedrohten Immobilienkrediten.

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