Zeitungen, TV-Magazine und Internetforen quellen schier über von immer neuen Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise. Ging es in den vergangenen Monaten und Wochen vor allem um die deutsche Staatsverschuldung im Jahr 2010, so ist in jüngster Zeit zunehmend die Wirtschaftslage von Griechenland in den Fokus von Medien und Verbrauchern gerückt. Während sich die Finanzsituation der Hellenen für viele Beobachter als konsequente Folge der internationalen Verschiebungen an den Finanzmärkten darstellt, sehen andere in der Verschuldung des EU-Partners bereits die Frühsymptome einer erneuten Krise. Angesichts der schwachen Finanzen europäischer Länder und vor dem Hintergrund der deutschen Rekordverschuldung in diesem Jahr beginnen selbsternannte Propheten sogar damit, düstere Szenarien vom nahenden Ende unserer Wirtschaft zu malen und schüren damit die Ängste der Verbraucher.


Die Wirtschaftskrise im Licht der Psychologie

Der Leistungsverlauf eines Wirtschaftssystems ist ohne eine Berücksichtigung von psychologischen Aspekten nicht zu verstehen. Ludwig Erhard sagte in diesem Zusammenhang einmal: “Die Wirtschaft hat kein Eigenleben im Sinne eines seelenlosen Automatismus, sondern sie wird vom Menschen getragen und vom Menschen geformt.” Während andere globale Probleme durch eine gezielte Veränderung der bestimmenden Parameter gelöst werden können, hängt die Wirtschaft eines Landes oder einer Staatengemeinschaft zu einem bedeutenden Teil von Stimmungen ab. Die aktuelle Wirtschaftskrise wird nach Meinung vieler Experten exakt solange andauern, wie die Medien täglich Katastrophennachrichten verbreiten und Konsumenten bereit sind, diesen Gehör und Glauben zu schenken. Sobald Banken, Unternehmen und Verbraucher wieder auf den Fortbestand der Wirtschaft vertrauen, werden Kredite vergeben, Investitionen getätigt und der Konsum angekurbelt.

Selbst ernannte Propheten verkünden den Staatsbankrott

Die negativen Nachrichten in der Tagespresse übertreffen sich gegenseitig und einige Publizisten nutzen die Gelegenheit und springen noch schnell auf den Zug der allgemeinen Panikmache auf. So brachte der Autor Michael Grandt im Februar 2010 sein Buch „Der Staatsbankrott kommt!“ auf den Markt und erklärt dem Leser, dass alle europäischen Staaten bereits kurz vor der Pleite stehen. Im gleichen Zuge berichtet er über das nahende Ende der Sozialstaatlichkeit in Deutschland und verstärkt damit insgesamt die Angst der Bürger vor dem wirtschaftlichen Abstieg. Hinterfragt man die aufgestellten Thesen kritisch, dann stellt man schnell fest, dass selbst ein Staatsbankrott nicht das Ende eines Staates bedeutet. Im Gegensatz zu einem privaten Verbraucher oder einem Unternehmen haben Staaten nämlich eine unbegrenzte Lebenszeit. Gewährte Kredite werden insofern so lange verlängert, wie der Staat im Ausland als kreditwürdig eingestuft wird. Im Fall von Deutschland gilt nach wie vor, dass von den kreditgebenden Partnern eine ausgesprochen hohe Kreditwürdigkeit unterstellt wird. Der deutsche Staat steht im Ausland als Garant für die zuverlässige und pünktliche Rückzahlung gewährter Gelder und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird.

Wie wahrscheinlich ist ein Staatsbankrott innerhalb der EU?

Am konkreten Beispiel von Griechenland hat innerhalb der EU eine Diskussion über einen möglichen Staatsbankrott begonnen. Durch die Zugehörigkeit der Griechen zur Euro Zone stellt sich die Situation anders dar, als es in einem unabhängig wirtschaftenden Staat der Fall wäre. Dieser könnte durch eine Vermehrung des Geldes im Umlauf eine Inflation herbei führen, die zu einer Abwertung der aufgenommenen Kredite führen würde. Griechenland bleibt an dieser Stelle stattdessen ein Maßnahmenpaket, das im Wesentlichen auf einer Senkung der Ausgaben und einer Erhöhung der Einnahmen beruht. Kürzungen von Sozialleistungen und Subventionen ergeben in einer Kombination mit Steuererhöhungen und neuen Steuerarten eine Entlastung der Staatsfinanzen und ermöglichen so eine geringere Neuverschuldung. Die Bereitschaft der anderen EU Staaten, Griechenland im absoluten Notfall mit Kreditmitteln zu helfen, bildet die von Angela Merkel definierte „Ultima Ratio“ und sichert den Griechen den wirtschaftlichen Fortbestand, ohne dass es zu einem Staatsbankrott kommen wird.

„Große Staaten haben breite Schultern“

Erfahrene Wirtschaftsexperten gehen mit der Thematik insgesamt eher gelassenen um. So sagte Professor Peter Bofinger, einer der deutschen Wirtschaftsweisen, in einem Interview mit der FAZ im Mai 2009 in Bezug auf die Staatsverschuldung und einen drohenden Staatsbankrott: „Die meisten Leute haben da unglaubliche Ängste. Zu Unrecht. Selbst wenn wir in den Jahren 2009 und 2010 rund 500 Milliarden Euro Schulden machen würden – und das halte ich nicht für realistisch – würde unser Schuldenstand von 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 85 Prozent steigen. Das ist ein Wert, der international noch nicht im roten Bereich liegt. Große Staaten haben breite Schultern.“

Sicher ist die aktuelle Situation ernst zu nehmen und ohne Zweifel macht ein Erhalt der Wirtschaftsstabilität geeignete Maßnahmen der Regierungen notwendig. Eine übertriebene Schwarzmalerei dürfte an dieser Stelle aber eher dem Zweck dienen, Argumente für eine Kürzung von Sozialleistungen oder eine Ablehnung von Wirtschaftshilfen an Griechenland zu konstruieren. Entsprechende Publikationen sehen hierin vielleicht durch eine hohe Nachfrage am Markt einen persönlichen Weg aus der Wirtschaftskrise, ohne den tatsächlichen Bedürfnissen der Verbraucher nach objektiven Informationen, sicheren Verhältnissen und wirtschaftlicher Stabilität gerecht zu werden.

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    1. One Response to “Erst Bankenpleite dann Staatsbankrott: Wie ernst ist die Lage wirklich?”

    2. Wie blauäugig doch der Autor des Artikels ist der denkt, dass alles ungeniert so weitergehen kann. Er hat nur folgendes vergessen: es wurden erst 50% des schadens ausgebucht, Mrd an faulen krediten stehen an, alle haben gefälschte Bilanzen, 50% des Schadens werden in Bad-Banks geladen, (und damit ist wieder alles palettie?) 450 Mrd stehen zur Zinszahlung an, obwohl die Banken Pleite sind und den Stresstest bestanden haben, die HRE hat 2 Billionen wertloser Schrottpapiere, und der Derivatemarkt ( 1,6 TRILLIONEN Dollar ) unser Anteil 20%= 320 Billionen Dollar wackeln bedenklich. Warum also soll den verlogenen Bankern und politikern noch Glauben geschenkt werden?

      By reiner Tiroch on Jul 30, 2010

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