
Unternehmer des Jahres, Young Urban Leader, eine der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt: Diese Titel wurden dem auch als Anwalt der Armen bekannt gewordenen Inder Vikram Akula verliehen für die in Bangladesch entstandene, von ihm aufgenommene Idee der Hilfe zur Selbsthilfe.
1998 hatte er die SKS Mircofinance als Nichtregierungs-Organisation gegründet und begonnen, den Ärmsten der Armen mit Kleindarlehen von umgerechnet EUR 50 bis EUR 500 eine Existenzgrundlage zu finanzieren. Inzwischen hat das Unternehmen, das inzwischen die Rechtsform geändert und damit gewinnorientiert tätig sein darf, Kleinstkredite an etwa 6,8 Millionen Inder vergeben; die Kreditausfallquote beträgt auch aufgrund einer an soziale Verantwortung appellierenden Vergabe an Schuldnergruppen von fünf bis zehn Personen weniger als ein Prozent. Trotz hoher Zinsen von durchschnittlich 28 Prozent boomt das Geschäft. Und der Markt ist bei weitem nicht gesättigt: Die zwischen Kapital und Kapitalbedarf klaffende Lücke wird allein in Indien mit mehr als 51 Milliarden USD angegeben. Eine Eigenkapitalrendite von 40 Prozent macht das Geschäft mit der Not der Menschen lukrativ.
So wird der beschlossene Gang an die Bombay Stock Exchange, der mit der zwischen dem 28.07.2010 und dem 30.07.2010 möglichen Zeichnung von 22 Prozent der Unternehmensanteile eingeleitet wurde, von Beobachtern skeptisch beurteilt: Zwar wird die Notwendigkeit der Kapitalbeschaffung auf dem Kapitalmarkt gesehen, doch bestehen Zweifel daran, dass sich der Anteilsverkauf tatsächlich zu Gunsten der Kunden auswirkt. Leider gibt es mit dem bisher einzigen Börsengang eines Mikrokreditinstitutes dieser Größenordnung, der mexikanischen Banco Compartomas, einen negativen Präzedenzfall: Damals floss der Erlös des Börsengangs überwiegend in die Taschen der Eigentümer, und die Zinsen erhöhten sich auf 80 Prozent. Neben diesen auch in Indien befürchteten Auswirkungen warnen Marktkenner vor der Gefahr einer zu schnellen, profitgetriebenen Expansion, die Kontrollmechanismen überfordern und damit zu höheren Ausfällen und einer Kreditblase führen könnte. Unbeantwortet bleibt auch die Frage, wie sozial-ethisches Engagement sich mit gewinnorientierter Geschäftspolitik vereinbaren lässt.
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