
Anlässlich einer routinemäßig durchgeführten Überprüfung unserer Konditionsangaben ist unseren Testern gestern beim KomfortKredit der HypoVereinsbank etwas schier Unglaubliches aufgefallen: Die Konditionen scheinen sich für mittlere Bonitäten deutlich verschlechtert zu haben.
Die Nachricht, dass Zinserhöhungen zu erwarten sind, ist inzwischen ähnlich oft gebetsmühlenartig wiederholt worden wie die Erwähnung der historisch niedrigen Zinsen, so dass die Ankündigung einer Zinserhöhung im Bereich der Konsumkredite, auch wenn sie kräftig ausfallen sollte, uns nicht gleich umgeworfen hätte. Auch die Phantasie der Finanzinstitute ist nicht neu und birgt, so dachten wir zumindest bis gestern, keine skandalträchtigen Überraschungen mehr.
Doch die Werte, die gestern der Kreditrechner der UniCredit aufzeigte und die sich auch am heutigen Morgen bei der hundertsten Kontrolle bestätigten, wären, sollte nicht der Rechner auf der Website des UniCredit einen Defekt aufweisen, das Ergebnis einer Chupze beträchtlichen Ausmaßes.
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Bisherige Konditionen
Zum Monatsanfang erst hatten wir wie viele andere Finanzportale die UniCredit gefeiert für die zweite deutliche Zinsreduzierung innerhalb weniger Monate. Ein bonitätsabhängiger Zinssatz von 3,25 bis 9,99 Prozent und ein Zwei-Drittel-Satz von 5,99 Prozent sind ein gutes Angebot, auch wenn schon zum Zeitpunkt der letzten offiziellen Zinsänderung zur Erreichung des Zwei-Drittel-Satzes ein Monatsnettoeinkommen von 2.701 erforderlich war.
Auf den ersten Blick schien sich an den zuletzt veröffentlichten Konditionen mit Ausnahme der inzwischen erst mit Euro 50 angebotenen, dann auf Euro 100 erhöhten Prämie für jeden Neuabschluss nichts verändert zu haben: Die Bandbreite des Effektivzinssatzes von 3,25 bis 9,99 Prozent blieb ebenso konstant wie der mit 0,442 bis 8,625 Prozent angegebene Sollzinssatz; dazu kommt unverändert eine Bearbeitungsgebühr von 1,5 bis 3,00 Prozent. Dazu das bekannte repräsentative Beispiel mit einem Zwei-Drittel-Zinssatz von 5,99 Prozent- die Welt schien in Ordnung.
Schludrig arbeitender Zinsrechner?
Doch wir haben ein wenig gerechnet- und konnten es erst nicht glauben: Entweder hat sich die Bonität der Durchschnittskunden der UniCredit in den letzten Wochen signifikant verbessert, oder aber der Konditionsrechner der ehemals bayrischen, jetzt italienischen Bank mit hoffentlich noch bayrischen Werten von Anstand und Moral, muss überholt werden. Denn die dritte Variante, eine klammheimliche Zinserhöhung durch die Hintertür, können und wollen wir uns gar nicht vorstellen.
Es muss in der Hektik der Zeit ein Fehler passiert sein, für den sich die aus der ehemals so stolzen Bayerischen Vereinsbank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank entstandene HypoVereinsbank, die jetzt offiziell UniCredit Bank heißt, in aktuell angesagter Weise sicherlich von Herzen entschuldigen wird.
Oder neue Einkommensgrenzen?
Um es kurz zu machen: Die Voraussetzungen zur Erreichung des Zwei-Drittel-Zinssatzes von 5,99 Prozent effektiv wurden laut Konditionsrechner deutlich angehoben. Nach den aktuellen Ergebnissen des Konditionsrechners der UniCredit ist ein Monatsnettoeinkommen von Euro 3.751 erforderlich, um für einen Kreditbetrag bis zu Euro 10.499 den Beispielzins von 5,99 Prozent effektiv zu erhalten. Der Zinssatz gilt für alle Laufzeiten ab 18 Monaten; ein Kredit bis Euro 10.499 mit kürzerer Laufzeit ist ab diesem Einkommen tatsächlich für 3,25 Prozent effektiv erhältlich. Doch unabhängig von der Laufzeit kostet ein Kredit ab Euro 10.500 selbst bei einem Monatsnettoeinkommen von Euro 10.000 tatsächlich 7,99 Prozent effektiv.
Monatsnettoeinkommen zwischen Euro 2.351 und Euro 3.750 bedeuten bei einer Kredithöhe bis 10.499 Euro einen Zinssatz von 7,99 Prozent und für alle größeren Beträge 8,99 Prozent effektiv. Auch der Jahreskredit ist für diese Einkommensstufen nicht günstiger. Bis zu einem Nettoeinkommen von Euro 2.750 muss laufzeitunabhängig für Beträge bis Euro 10.499 ein Effektivzins von 8,99 Prozent und für darüber hinausgehende Beträge ein Zinssatz von effektiv 9,99 Prozent gezahlt werden.
Italienische Leichtigkeit oder Systemfehler?
Nicht nur die Quadratur des Kreises, auch die schlichte Wartung eines korrekt arbeitenden Zinsrechners scheint mitunter die Fähigkeiten der verantwortlichen Personen zu übersteigen. Wir werden die Angelegenheit im Auge behalten und sind sicher, kurzfristig wieder die alten Werte bestätigen zu können. Denn auch wenn die HypoVereinsbank/UniCredit mittlerweile aus Mailand gesteuert wird, wird sie sich doch ganz sicher nicht soviel italienische Leichtigkeit angeeignet haben, dass sie über die gesetzlichen Regeln -seien es auch “nur” die zum Verbraucherschutz- hinweg setzt.
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