
Die Politik scheint sich zumindest in der Beantwortung der Frage mit einem klaren „Ja“ sicher zu sein. Die meisten Experten aus der Wirtschaft sehen hingegen die Schuld keineswegs bei den Ratingagenturen, sondern vielmehr bei der europäischen Politik, die mit ihrer Uneinigkeit und ihrem Zick-Zack-Kurs keine Klarheit schafft. Doch die Wirklichkeit ist wie so häufig zu kompliziert, um die Probleme auf einen einzigen Nenner zu bringen.
Die Aufgaben der Ratingagenturen
Wie in einer geteilten Wirtschaft üblich wird jede ökonomisch besetzbare Nische von Unternehmen besetzt, die sich auf ihrem Gebiet Know How aneignen und die übrige Wirtschaft mit ihren Produkten und/oder Dienstleistungen beliefert, sofern diese entsprechend nachgefragt werden. Im Fall von Ratingagenturen handelt es sich bei den Adressaten der Dienstleistungen um Investoren – vor allem Versicherungen und Pensionsfonds – und Banken, die verlässliche Aussagen über den Risikograd einer möglichen Investition bzw. Kreditvergabe haben möchten. Würden die Ratingagenturen diese Dienstleistung nicht bringen, müssten die anderen Marktteilnehmer den jeweiligen Risikograd jeder einzelnen Investitionsmöglichkeit in Eigenregie ermitteln, ein quasi unmögliches Unterfangen.
Wie Moody’s und Co. ihre Aufgabe erfüllen
Bei der Ermittlung des Risikogrades versuchen die Ratingagenturen als emotionslose Technokraten anhand verschiedener Parameter – bei Staaten ökonomische und auch politische – die Wahrscheinlichkeit eines teilweisen oder auch vollständigen Emittentenausfalls zu ermitteln. Im Fall von Griechenland kommen Moody’s, Fitch und Standard & Poors bspw. zu dem Ergebnis, dass Investoren einen 50%-igen Ausfall ihrer Investments in Staatsanleihen in Kauf nehmen sollten.
Das Ergebnis fußt dabei nicht nur auf der miserablen Verfassung der griechischen Staatskasse, sondern auch auf dem Schlingerkurs der EU. Die unterschiedlichen Aussagen wichtiger Vertreter und der mangelnde Konsens bezüglich der adäquaten Problemlösung sorgen für eine große Unsicherheit, da ein Investor nicht absehen kann, ob Griechenland ohne Zahlungsausfälle mit Hilfe der EU saniert werden kann, ob ein Schuldenschnitt oder gar der Austritt aus der Eurozone droht.
Das Problem dabei
Quasi alle großen Investoren orientieren sich bei ihren Investments an den Ratings der jeweiligen Agenturen. Wird etwa ein Land herab gestuft, sind weniger Investoren bereit, die Anleihen zu kaufen, da sie zum Beispiel aufgrund ihrer internen Richtlinien nur Investments einer bestimmten Risikoklasse erwerben dürfen.
Um dennoch genügend Investoren finden zu können muss das Land höhere Zinsen bieten, um das höhere Risiko kompensieren zu können. Höhere Zinsen führen jedoch zu einer weiteren Belastung des Haushalts und eine weitere Abstufung droht.
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