13.01.2012 – 14:17
Autor: Kredit News

Viele Girocards, früher ec-Karten genannt, werden ab Mitte April sukzessive mit einer neuen Zahlungsfunktion ausgestattet: Ein Nahfeld-Chip mit Antenne (NFC) ermöglicht dann die kontaktlose Bezahlung (ohne Eingabe einer PIN, ohne Unterschrift) bei zunächst ausgesuchten Einzelhändlern.

Bekannt gegeben wurde der Start des angabegemäß derzeit größten europäischen Pilotprojekts, das sich zunächst auf die Regionen Hannover, Braunschweig und Wolfsburg beschränken soll, in den letzten Tagen vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). An dem Pilotprojekt mit 1,3 Millionen Karten werden sich neben dem BVR der Deutsche Sparkassen- und Giroverband beteiligen. Zusammen geben die diesen Verbänden angeschlossenen Institute etwa neunzig Prozent der in Deutschland umlaufenden Girocards aus. Die privaten Banken wollen zunächst keine eigenen Karten mit NFC-Chip anbieten, sondern setzen zum Teil auf die Mitte des Jahres erwarteten, ähnlichen Angebote von VISA und Mastercard.

Details zu dem neuen System “Girogo”
Bei der neuen NFC-Technik (Near Field Communication) handelt es sich um einen Chip mit Antenne, der anstelle der bisherigen Geldchips in die Girocards integriert wird. Zur Bezahlung von Beträgen bis zu zwanzig Euro muss die Girokarte zukünftig nicht mehr in ein Lesegerät eingesteckt werden, sondern lediglich in einem Abstand von maximal vier Zentimetern vor eines der dann im Handel eingesetzten Lesegeräte gehalten werden. Bei darüber hinausgehenden Beträgen ist wie bisher die Eingabe einer PIN oder die Unterschrift auf dem Bon erforderlich. Wie beim bisherigen Geldchip ist zuvor die Aufladung der Karte notwendig; eine neue Abo-Funktion, durch die bei Unterschreitung eines bestimmten Betrages automatisch eine Neuaufladung erfolgt, sorgt auf Wunsch für zusätzlichen Komfort.

Details zum Pilotprojekt
Das zunächst auf den Großraum Hannover, Braunschweig und Wolfsburg begrenzte Projekt wird in zunächst ausgesuchten Märkten des Handelsunternehmens EDEKA, vielen Esso-Tankstellen, Thalia-Buchläden, Christ-Schmuckgeschäften, Hussel-Confiserien und dem Damenmoden-Anbieter AppelrathCüpper begleitet. Die Kartenaufladung soll zukünftig außer an Geldautomaten auch an speziellen Geldkarten-Terminals im Handel möglich sein; möglich ist die Aufladung des Chips bis zu einem Betrag von 200 Euro.

Die kontaktlose Bezahlung wird zunächst auf Beträge bis zu zwanzig Euro beschränkt sein; sehr zum Bedauern des Einzelhandels. Denn nach einer EDEKA-Statistik soll lediglich ein Viertel aller Zahlungen mit diesem Betrag abzudecken sein; der durchschnittliche Einkaufswert liegt laut EDEKA bei etwa 22 Euro. Dennoch wollen die Banken während der Testphase an der Begrenzung auf zwanzig Euro festhalten; eine Erhöhung des Betrages ist im Laufe des Jahres 2012 vorgesehen.

Bisher sind bereits 150.000 Girocards der Volksbanken und Raiffeisenbanken mit dem neuen Chip versehen worden; kurzfristig sollen insgesamt 1,3 Millionen Karten inklusive vieler Sparkassencards mit der neuen Technik ausgestattet werden. Bis zum Jahresende 2012 ist der Austausch von insgesamt 16 Millionen Sparkassencards vorgesehen. Ein Austausch aller Girocards der Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken, die insgesamt 90 Prozent aller Girocards stellen, soll innerhalb der nächsten fünf Jahre erfolgen. Neben den Kunden der örtlichen Volksbanken und Raiffeisenbanken dürfen sich besonders die Kunden, die ein Giro.de bei der in der Pilotregion marktführenden Sparkasse Hannover unterhalten, auf die neue Kartenfunktion freuen.

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Die privaten Banken warten ab
Der Bundesverband der deutschen Banken unterstützt das Projekt, in dem er sich an den Kosten beteiligt, will aber zunächst keine eigenen Girogo-Karten herausgeben. Stattdessen werden zunächst die comdirekt, die DKB, die Landesbank Berlin, die Targobank, die VW-Bank und die BW-Bank bis Mitte 2012 die kontaktlosen Kreditkarten von VISA (VISA payWave) und Mastercard (Mastercard Pay Pass) vertreiben. Diese mit dem NFC-Chip ausgestatteten Kreditkarten, die außerhalb Deutschlands bereits getestet worden sind, funktionieren in der gleichen Weise wie die Girocards mit Girogo-Funktion, nur dass die Beträge direkt vom Kundenkonto abgebucht werden (keine Prepaid-Funktion, kein Aufladen).

Vorteile, Kosten und Sicherheit der Girogo-Karten
Der Vorteil der Girogo-Karten liegt für den Verbraucher in den kürzeren Wartezeiten vor den Kassen; die Bezahlung per Girogo soll um ein Viertel schneller sein als die Bezahlung mit herkömmlichen Karten und doppelt so schnell wie die Bezahlung mit Bargeld. Für den Handel bedeuten die neuen Karten ebenfalls Zeiteinsparungen und deutlich weniger Bargeldaufkommen. Ein weiterer Vorteil für den Handel liegt in der Zahlungsgarantie, denn aufgrund der Prepaid-Funktion der Girocards bekommen sie den Einkaufswert in jedem Fall gutgeschrieben. An den für den Handel entstehenden Kosten für die Umrüstung der Kassen will sich die Kreditwirtschaft mit einem Investitionszuschuss beteiligen.

Für den Verbraucher entstehen durch die Girogo-Karten keine Kosten, sofern die Girocard kostenlos zur Verfügung gestellt worden ist. Da das bei all unseren Anbietern von Girokonten und unseres Wissens auch bei allen anderen Instituten zumindest für die erste Karte der Fall ist, werden die deutschen Verbraucher für die neue Bequemlichkeit nicht zur Kasse gebeten.

Ein zusätzliches Datenrisiko soll laut der Deutschen Kreditwirtschaft mit den neuen Karten nicht verbunden sei, da im Rahmen der kontaktlosen Bezahlung nur zahlungsrelevante Informationen, aber keine Kundeninformationen und Namen ausgetauscht werden. Ein Verlust der Karte kommt allerdings bis zur Kartensperre in Höhe des aufgeladenen Betrages dem Verlust von Bargeld gleich.

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