13.08.2014 – 13:29
Autor: Kredit News


Die Juristen reden von einer vorgezogenen Vermögensübertragung, der Volksmund von einem Geben mit warmer Hand. Gemeint ist in beiden Fällen die Schenkung, durch die in bestimmten Fällen und bei Einhaltung bestimmter Regeln die bei der analog möglichen Vererbung anfallende Steuer vermieden werden kann. Doch wann ist eine Schenkung auch aus steuerlicher Sicht tatsächlich einer Vererbung vorzuziehen? Wo liegen die Vorteile, wo die Haken?

Identische Steuersätze und Freibeträge

Über die Erbschafts- und Schenkungssteuer fließen Jahr für Jahr insbesondere durch die unentgeltliche Übertragung von Immobilien einige Mrd. Euro in die Steuerkasse. Da ist es nur verständlich, dass viele Immobilienbesitzer nach einer Möglichkeit suchen, ihren Partnern, Kindern und sonstigen Nahestehenden diese Steuer zu ersparen. Allerdings sind die Möglichkeiten zur Umgehung der Erbschafts- oder Schenkungssteuer sehr begrenzt. Denn abgesehen von einer kleinen, sogar nachteiligen Ausnahme (für Eltern und Großeltern gelten bei einer Schenkung kleinere Freibeträge) kommen bei einer Verschenkung die gleichen Steuerfreibeträge und Steuersätze zum Ansatz wie bei einer Vererbung. Wann ist eine Schenkung dennoch sinnvoll?

Gültige Freibeträge

Grundsätzlich gilt, dass bei der Vermögensübertragung einer Immobilie, sei es durch Schenkung, sei es durch Erbschaft, für nahe Verwandte großzügige Freibeträge gelten. Für Ehepartner und eingetragene Lebenspartner liegt der Freibetrag bei 500.000 Euro, für Kinder und Kinder verstorbener Kinder bei 400.000 Euro pro Eltern/Großelternteil und für Enkel noch lebender Kinder bei 200.000 Euro pro Großelternteil. Die Freibeträge beziehen sich selbstverständlich auf den Nettowert der Immobilie. Sofern noch ein Immobilienkredit besteht, wird die Valuta selbstverständlich in Abzug gebracht. In vielen Fällen dürften die Freibeträge ausreichen, um einer Besteuerung komplett zu entgehen. Doch die insbesondere in manchen Großstädten rasant steigenden Immobilienpreise haben leider auch zur Folge, dass die Erbschaft/die Schenkung immer öfter nicht steuerfrei bleibt. Je nach Steuerklasse liegt dann der Steuersatz für die Beträge, die die Freigrenze übersteigen, bei nahen Verwandten (Kinder, Enkel, Eltern, Geschwister) zwischen 7 und 30 Prozent.

Freibeträge bei Schenkung mehrfach ausnutzbar

Immer dann, wenn einem Nachkommen Immobilienvermögen ganz oder in Teilen übertragen werden soll, das über die vorgenannten Freigrenzen hinausgeht, kann eine Schenkung in Form der unentgeltlichen Übertragung von Vermögensteilen sinnvoll sein. Denn es gelten zwar die gleichen Freibeträge, doch können diese bei einer Schenkung alle zehn Jahre neu in Anspruch genommen werden. Allerdings sollte sich der Schenker absichern. Bei der selbst genutzten Immobilie ist das möglich durch ein Wohnrecht, bei einer vermieteten Immobilie empfiehlt sich die Eintragung eines Nießbrauchrechtes.

Komplette Steuerbefreiung bei Eigennutzung

Eine Besonderheit gilt noch für nach Eigentumsübertragung durch Schenkung oder Erbschaft vom Begünstigten selbst genutzte Wohnimmobilien: Ehegatten und eingetragene Lebenspartner werden bei solchen Objekten auch über die Freigrenze hinaus von der Steuerlast befreit, wenn sie die Immobilie für zehn Jahre nach Schenkung/Erbschaft selber bewohnen. Eine ähnliche Regelung gibt es für Kinder und Enkel. Für sie gilt allerdings die zusätzliche Regelung, dass die durch Schenkung oder Erbschaft erhaltene Immobilie eine Wohnfläche von maximal 200 qm ausweisen darf.

Schenkung bei nicht geplanter Eigennutzung sinnvoller

In einem Fall ist eine Schenkung in jedem Fall günstiger als einer Vererbung. Das trifft immer dann zu, wenn eine Immobilie vermacht werden soll, deren Wert die jeweils geltende Freigrenze überschreitet und die nach Übertragung nicht vom Beschenkten/Erben selbst genutzt werden soll. Denn im Falle der Schenkung entfällt die Pflicht zur Eigennutzung. Der Beschenkte kann die unentgeltlich erworbene Immobilie steuerfrei verkaufen, sofern der Schenker sie zehn Jahre vor Verkauf durch den Beschenkten erworben hat.


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