IV Fabel von Aufstieg und Fall: Das römische Reich


Die Gründung Roms (753 v. Chr) liegt zeitlich noch vor dem Auftreten der ersten Geldmünzen in Kleinasien. Über einen Zeitraum von ca. 400 Jahren hinweg reichen den ländlich orientierten Römern Rohkupfer, Bronzenbarren mit Bildern oder Aufschriften und Kleinvieh als Wertmaß aus, bis um ca. 300 v. Chr Silbermünzen nach griechischem Vorbild auftauchen. 212 v. Chr. schaffen weitgehende Reformen dann ein einheitliches Münzsystem (Silber-Denar) in einem bereits den gesamten Mittelmerraum umfassenden römischen Reich.

In der Blütezeit des Imperiums erreicht das römische Finanzwesen eine Intensität, die in Europa erst Jahrhunderte später wieder ihresgleichen finden wird. Zinsnahme für Gelddarlehen unterliegt diffenzierten und kontinuierlich angepassten geseztlichen Regelungen. Banker zahlen Zinsen gegen Einlagen, stellen Wechsel aus, und agieren im Namen ihrer Kunden mit grossem Geldsummem in den Provinzen.
Vorformen von industrieller Produktion (Massenmanufaktur von Waffen und Haushaltswaren) entstehen. Investorengemeinschaften operieren nach dem Prinzip der beschränkten Haftung (was Teilhaber davor schützt, bei Fehlschlägen mehr zu verlieren als sie investiert haben), pachten gemeinsam Handelsschiffe, Bergwerke oder sogar Zollstellen und erwirtschaften Gewinne. (Im Gegensatz zu modernen Teilhabergesellschaften lösten sie sich derartige Unternehmungen nach Ablauf der Pachtzeit auf.) Sogenannte Bestattungsvereine sichern über einen gemeinsamen Fundus zukünftige Kosten von Beerdigungen und Versorgung von Nachkommen ihrer Mitglieder ab und bilden somit die Vorläufer unserer Lebensversicherungen..

Kriegsbeute und Tribute aus eroberten Gebieten mobilisieren riesige Kapitalmengen und ermöglichen regelmässige Münzprägungen in grossem Stil. Mit der Armee gelangt römisches Geld bis in die entferntesten Ecken des Reiches, und selbst ausserhalb seiner Grenzen werden Silber-Denar und Gold-Aureus (letzterer wurde 87 v Chr. eingeführt) zu Hauptgeschäftsmünzen, etwa in Germanien oder Skandinavien. Selbst in Indien kommen große Mengen römischer Goldmünzen in Umlauf.

Der Niedergang Roms trägt viele Merkmale einer schleichenden Wirtschaftskrise: Denar und Aureus geniessen beindruckendene Stabilität bis etwa zur Zeit Neros (54-68), als sich der Silbergehalt des Denars zu verringern beginnt und danach kontinuierlich sinkt, bis er zu Aurelians Zeiten (270-275) nur noch 2% beträgt. Weder wiederholte Neuausgabe von Münzen noch planwirtschaftliche Anwandlungen mit Festpreisverordnungen können die Inflation aufhalten. Der Verlust des Vertrauens in das mittlerweile vollkommen wertlose Geld lähmt den Aussenhandel, lässt den Schwarzmarkt aufblühen und verlagert den Wirtschaftsschwerpunkt von der Stadt zurück aufs Land. Historiker zählen rapide Abnahme der fälschlich für unbegrenzt gehaltenen Edelmetallbestände, Abwanderung des Kapitals in Richtung Byzanz ebenso wie die immer mächtiger werdende christliche Kirche -die Ressourcen akkumuliert und einbehält- zu den wichtigsten Faktoren in einer sich über ca. 500 Jahre hinziehenden Chronologie des Zerfalls.

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